Was wollen wir auf anderen Himmelskörpern?
   Können wir auf anderen Himmelskörpern leben?
   Was können wir auf anderen Himmelskörpern noch tun?
Können wir auf anderen Himmelskörpern leben?

Die wichtigste Option, die sich uns hoffentlich auf anderen Himmelskörpern bietet, ist wohl die Möglichkeit der Errichtung von Sicherungskopien unseres Ökosystems. Nach astronomischen Maßstäben schwebt über unseren Köpfen ständig die latente Gefahr der Auslöschung, und falls die Erdoberfläche durch ein kosmisches Ereignis mal wieder "neu formatiert" wird, ist es nicht verkehrt, anderswo ein Backup einzurichten. Vielleicht ist schon längst ein Asteroid auf Kollisionskurs mit uns, noch ganz weit draußen und Jahrzehnte oder Jahrhunderte von uns entfernt, aber trotzdem dazu bestimmt, genau in die Erde einzuschlagen. Möglicherweise ist auch längst eine Supernova irgendwo in der Nachbarschaft explodiert, oder es sind zwei Neutronensterne kollidiert und der zugehörige Gammablitz ist unaufhaltsam mit Lichtgeschwindigkeit zu uns unterwegs. Wir können also eine Sicherungskopie von uns und unserer lebendigen Umgebung sehr gut gebrauchen. Natürlich können wir auf Mond und Mars nicht einfach einen Baum pflanzen, angießen und hoffen, daß er wächst. Die Erde ist in diesem Planetensystem das einzige Objekt, auf dem Menschen und die gewohnten Tiere, Pflanzen und Pilze an der Oberfläche leben können.
Auf Mond und Mars kann man ein erdähnliches Ökosystem nur in Tunnels und Kavernen ausreichend sicher und geschützt betreiben; Mond und Mars sind die einzigen Himmelskörper, auf denen die Errichtung größerer Außenposten in nächster Zeit überhaupt in Frage kommt. Sonnenwind, kosmische Strahlung und auch mal unsanft herunterrieselnde Meteoriten werden uns zwingen, uns einzugraben. Wir werden dort also mit Bergbautechnik, wie beispielsweise mit Tunnelbohrmaschinen, antreten müssen, um Wohn- und Arbeitsraum in einigen zehn oder hundert Metern Tiefe unterbringen zu können. Dankenswerterweise bleibt man auf Mond, Mars und Asteroiden von einigen irdischen Problemen, die hier beim Bergbau auftreten können, verschont. Uns erwarten keine Wassereinbrüche, denn der Aushub ist entweder trocken oder gefroren, und der Gebirgsdruck steigt durch die viel geringere Fallbeschleunigung mit zunehmender Tiefe deutlich moderater an.
Als möglicherweise problematisch könnten sich die Auswirkungen der geringen Fallbeschleunigung auf irdische Lebewesen erweisen. Wie sich Mond- oder Marsfallbeschleunigung auf den menschlichen Körper auswirken, ist noch völlig ungetestet. Bisher wissen wir nur, wie sich Lebewesen bei Erdfallbeschleunigung und in Mikrogravitation verhalten, aber der Bereich dazwischen ist unerforscht. Gravitation ist jedoch durch Fliehkraft vollständig ersetzbar, so daß man zumindest sein Schlafzimmer auch in einer großen Zentrifuge unterbringen könnte, um wenigstens zeitweise in passender Fallbeschleunigung leben zu können.
Was können wir auf anderen Himmelskörpern noch tun?

Wir können beispielsweise frischen Wirtschaftsraum erschließen und Rohstoffe gewinnen. Wer es schafft, seine Technologie auf Mond, Mars oder Asteroiden in Stellung zu bringen und zu betreiben, was sicher nicht ganz einfach ist, der hat im Prinzip technologisch freie Hand, was Bergbautechnik, Chemie und Kernphysik angeht. Es spricht anscheinend nichts dagegen, auf dem Mond Uranbergbau und Kernkraftwerke zu betreiben. Man kann auf den Oberflächen des Mondes und der Asteroiden keine Ökosysteme zerstören, weil es dort keine Ökosysteme gibt. Auf dem Mars ist der Fall möglicherweise etwas anders gelagert, denn dort kommen unter Umständen einige Gewächse, beispielsweise Flechten, vor, die wir lieber erforschen anstatt umbringen sollten. Falls es auf dem Mars Leben gibt, so sollte unser wissenschaftliches Interesse das wirtschaftliche Interesse überwiegen.
Doch zurück zum Mond. Was es auf dem Mond gibt, sind diverse Rohstoffe und jede Menge Platz für Industriebetriebe. Was die Rohstoffe angeht, stellt sich die Situation ähnlich wie auf der Erde dar, denn Mond und Erde haben aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte eine sehr ähnliche chemische Zusammensetzung.
Für bestimmte industrielle Verfahren kann auch die geringe Fallbeschleunigung und das Fehlen jeder Außenatmosphäre deutlich von Vorteil sein. Wollen wir manche Industriezweige mit ihren Umweltbelastungen nicht schon lange auf den Mond schießen? Jetzt können wir es.
Und nicht zu vergessen: Wenn wir stärker in unser heimatliches Planetensystem expandieren wollen, brauchen wir einen Standort für eine leistungsfähige Raumschiffwerft, denn wir wollen sicher nicht jedes interplanetare Schiff gegen die Erdfallbeschleunigung durch die dichte Erdatmosphäre in mehreren Stücken als Bausatz in den Orbit hieven und anschließend in Außeneinsätzen zusammenschrauben. Wenn wir Raumfahrt konsequent betreiben und entwickeln wollen, brauchen wir unbedingt eine Raumschiffwerft auf dem Mond.
Auch für die Wissenschaft, insbesondere Astronomie, Quantenphysik und Kosmologie, erwarten uns neue Möglichkeiten. Einem auf dem Mond stehenden Teleskop bietet sich genau so klare Sicht wie einem Weltraumteleskop, es hat jedoch den technischen Vorteil, auf festem Boden zu stehen. Außerdem bietet sich durch die Benutzung mehrerer Himmelskörper als Sternwartenstandorte ein sehr hochauflösender, stets räumlicher Blick auf unsere kosmische Nachbarschaft.
Auch Teilchenbeschleuniger hätten dort Vorteile. Hier auf der Erde muß man die Luft aufwendig abpumpen, auf dem Mond dagegen hat man bereits fertiges Hochvakuum.
Die Entwicklung einer Raumfahrtindustrie kann uns weiterhin ermöglichen, diverse kosmische Gefahren aktiv auszuschalten. Wenn uns die Bahn eines Asteroiden oder Kometen zu riskant erscheint, könnten wir das Teil einfach per Raumschiff ansacken und ein Stück zur Seite ziehen oder schieben, bis uns der Kurs wieder gefällt, oder wir treten mit Bergbau- oder Sprengtechnik an und bauen oder sprengen das Ding einfach auseinander.
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Autor: Dröppez